Alles Routine!

In der Zeitrechnung „vor dem Hund“ lebten Alex und ich nahezu routinefrei. Das klingt jetzt wunderschön unabhängig und Routine ist im Gegenzug oft negativ behaftet. Hat etwas von langweiligem Alltag. Dass Routinen auch wunderschöne kleine Gewohnheiten sein können, habe ich mit Sunny gelernt. Inspiriert von Canistecture’s Beitrag „Der Gewohnheitshund“ und quasi als Antwort darauf, folgen nun unsere Lieblingsroutinen:

Wir haben rasch gemerkt, Routinen sind etwas wunderbares – besonders für Welpen. Sie wissen was kommt und lernen so auch leichter, was von ihnen erwartet wird. Grundsätzlich muss man vorweg nehmen, dass Hunde ALLES speichern. Jedes Geräusch, Bewegungsabläufe, Dinge. Alles wird „nach Hundelogik“ sortiert. Als Ersthundebesitzer waren wir anfangs oft noch sehr überrascht von Sunny’s detaillierter Aufnahme unserer Tätigkeiten und Abläufe.

Futter

Um den Hund stubenrein zu kriegen, hilft es gewisse Fütterungszeiten zu schaffen. Daraus resultieren dann nämlich die entsprechende Gassi- und auch Schlafzeiten. Nach einiger Zeit haben wir die Zeiten aber ausgedehnt bzw. letztendlich aufgehoben, weil wir vermeiden wollten, dass der Hund um Punkt 8 sein Futter verlangt. Mittlerweile können wir den Tagesablauf samt Fütterungszeit beliebig gestalten – also komplett routinefrei. Anders ist das beim Fütterungsritual selbst – denn hier gibt es eine Routine, die wir seit Tag 1 durchziehen. Zu Beginn hat sie damit auch Sitz, Platz, Bleib und Ruhig gelernt. Vor allem letzteres ist Sunny’s größte Herausforderung, die für den Futternapf allerdings dann doch zu bewältigen war 😉 Wir genießen also folgenden Fütterungsprozess: Sunny wird nur Fütterung gerufen, wenn sie gerade irgendwo ruhig liegt. Dann wird sie in der Küche abgelegt. Währenddessen wird der Napf gewaschen und gefüllt. Dann bewegt sich Mensch ins Wohnzimmer und ruft oder pfeift Sunny zu sich. Dann ins ruhige Platz (also wirklich liegen, kein Muskel-angespanntes-gibs-jetzt-her-liegen). Sie liegt ruhig da und sieht uns an, dann heißt es „Hols dir“. Das ist nicht nur eine angenehme Prozedur ohne Stress und Ärger für uns, es entspannt auch den Hund. Wenn sie frisst, pfeifen wir übrigens unseren Komm-Pfiff, in der Hoffnung dass sich die Konditionierung sprichwörtlich bei ihr einfrisst 😀

Kuscheln & Schlafen

Gerade in der Welpenzeit war ruhiges Kuscheln und Spielen nahezu unmöglich. Unsere aktive Sunny mit ihren spitzen Zähnchen hat uns ordentlich auf Trab gehalten. Unser Kuschelbedürfnis wurde zunächst oft mit erwähnten Zähnchen beantwortet. Der Spaß auf unserer Seite hat sich entsprechend in Grenzen gehalten. Wir haben dann herausgefunden, dass die soziale Zeit im Rudel die nach dem Essen ist. Und nachdem der Hund nach dem Essen ohnehin ruhig sein und bestenfalls schlafen sollte (um Magendrehung zu vermeiden), haben wir nach dem Füttern eine Kuschel- und Schlafenszeit eingerichtet. Darauf wartet sie mittlerweile auch schon – grunzend und schnarchend träumt sie sich in den Schlaf, sobald einer von uns sich an ihre Seite setzt und sie flauscht was das Zeug hält.

Friede ;)

Schlecken

Wir haben Sunny wohl zur Schleckerin erzogen. Hat auch mit den Welpenzähnchen zu tun. Um dem Beißen zu entgehen, haben wir Schlecken gelobt. Das Ergebnis: sie erwartet, dass wir uns begeistert schlecken lassen. Besonders nach dem Wassertanken übt sie das mit Begeisterung aus. Sobald wir sie am Napf trinken hören, streckt schon einer von uns eine Hand oder ein Bein aus 🙂

Gemma

IMG_3360 JPGWir haben die Garderobe mit Jacken und Schuhen im Stiegenhaus einen Stock tiefer. Sunny’s Konditionierungen zum Gassi gehen beziehen sich also auf das Herrichten ihrer Gegenstände, sprich Halsband, Leine und Futterbeutel. Doch wie kann man feststellen, dass sich das alles anbahnt, um schon etwas früher aufgeregt und munter zu werden? Sunny hat einfach nach einiger Zeit verstanden, was Alex und ich besprochen haben. Offensichtlich hatten wir hier zu oft eine Phrase verwendet: „Gemma?“ (hochdeutsch: Gehen wir?). Sobald wir das also gesagt hatten, war sie auch schon bereit. Mittlerweile nutzen wir das bewusst – einerseits um sie JETZT zum Gehen aufzufordern und andererseits vermeiden wir es, wenn wir besprechen wollen, dass wir erst in einer Stunde gehen. Dann mal lieber nicht das Codewort verwenden 😉

Naschen

Sunny darf grundsätzlich nicht mitnaschen, sonst wäre sie nicht nur unerträglich sondern auch kugelrund. Beim Kochen wird sie daher abgelegt und mit ihren Leckerlis belohnt, wenn sie ruhig liegen bleibt. Beim Essen wird sie ignoriert. Nur beim Joghurt Essen haben wir uns angewöhnt, ihr nachher den Becher zum Ausschlecken zu geben. Ein fataler Fehler: sie kombiniert das Öffnen des Kühlschranks mit dem Herausnehmen eines Löffels und steht sabbernd bereit 😀

Pfote

Eine Möglichkeit Menschen zu begrüßen oder gar zu beeindrucken und ihnen was abzuschnorren ist „Pfote geben“. Wunderbar, das geht auch im Sekundentakt 😀 Sunny hat’s also kapiert. Und uns freut’s auch – denn das ist deutlich besser als Anspringen!

Gib mir 5

Bestimmt habt ihr auch alle eine Reihe schöner Routinen mit euren Vierbeinern entwickelt. Die würden wir sehr gerne lesen! Schreibt doch auch einen Blogpost darüber – ich ergänze den Text am Ende gerne mit weiteren Links – oder postet einen Kommentar unter diesen Beitrag. Gemeinsam mit Anna von Canistecture möchten wir möglichst viele Einblicke in den Hundealltag sammeln. Zum Schluss werden wir diese Sammlung dann als neuen Blogpost zur Übersicht veröffentlichen.

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20 Antworten zu “Alles Routine!

  1. Hihi, so in einigen Punkten haben wir uns wieder erkannt. Die Sache mit den ausgeschleckten Joghurt-Bechern ging bei uns allerdings noch einen Schritt weiter. Sobald ich so einen Becher in Frauchens Einkaufsbeutel gesehen habe, habe ich erwartet, dass ich ihn sofort bekomme 🙂 Mal sehen, ob uns etwas einfällt, was wir sonst noch so an Routinen haben.

    Wuff-Wuff dein Chris

  2. Eine schöne Idee – bei uns gibt es auch eine Art Routine 😉

    Was ich nicht so ganz verstanden habe, ihr pfeift, wenn Sunny frisst, damit sie auf den Pfiff konditioniert wird und sich dann draußen abrufen lässt?

    Liebste Grüße

    • Ja, der Pfiff soll mit dem Futter verknüpft werden. Wir trainieren das natürlich auch. Soll das ganze aber verstärken – zumindest hat uns das der Trainer in der Hundeschule schon beim ersten Telefonat gesagt. Und nachdem es kein großer Aufwand ist, machen wir das einfach so 😉

      Würde uns freuen, wenn ihr auch eure Routine(n) mit uns austauscht!

      Liebe Grüße

      • Das hört sich interessant an. Bei Lilly würde das nicht funktionieren. Eher, wenn ich pfeife, sie kommt und dann die Schüssel auf sie wartet. Ich würde mich freuen, wenn du vielleicht weiter darüber berichten würdest, in einem extra Post oder so 🙂

        Einen Routinen-Post werden wir nächste Woche mal in Angriff nehmen 😉

        Liebste Grüße

      • Ja, das machen wir eh auch, wenn wir sie herrufen. Weiß auch nicht, was bzw. obs hilft. Bei uns gehts draußen eher darum, wie stark die Ablenkung ist. Da pfeift sie uns manchmal was auf die Konditionierung… 😉
        Freu mich auf euren Routine-Post! Link hier posten wär super 👍

  3. Hunde sind vermutlich wesentlich stärker an Routinen orientiert als wir selbst. Sie haben ein gutes Gefühl für die den Routinen zugrundeliegenden Zeitabläufe, was sich zum Beispiel daran zeigt, dass sie pünktlich zur Fütterungszeit zur Küche gehen oder ab einer bestimmten Zeit Herrchen oder Frauchen von der Arbeit zurück erwarten. Und so werden eben auch immer wiederkehrende Ereignisse zu Routinen.
    Ich fand den Beitrag sehr interessant und habe natürlich direkt auch einmal über die Routinen in meinem Hundehaushalt nachgedacht.

    So viele wie bei euch konnte ich bei mir nicht finden.
    – Futter wird nur ausgegeben, wenn der entsprechende Hund still auf seiner Matte sitzt. Loslegen darf er erst, wenn der Napf steht und ich das Kommando gebe.
    – Morgens wird in der Regel nach dem Spaziergang gefüttert.
    – Geschirre werden vor dem Spaziergang angelegt, indem ich einen nach dem anderen zu mir rufe und dann das Geschirr anlege.
    – zwischen 10 und 10:30 Uhr gibt es täglich etwas zu Kauen.
    – Nach dem Mittagessen ist Siesta angesagt.
    – Stelle ich die festen Schuhe vor die Treppe, ist ein Spaziergang angesagt.
    – Die Verladung der Hunde ins Auto erfolgt bei mir nach Spaziergängen immer in der Reihenfolge – Floppy, Little Amiga, Yoschi.
    – Das Ableinen nach Spaziergängen verläuft immer in der Reihenfolge Yoschi, Floppy, Little Amiga.
    – Wenn ich abends in meinem Arbeitszimmer bin, ist für die Hunde Schicht.

    Das sind vermutlich alle unsere Routinen. Bräuchten wir vielleicht mehr Routinen? Vermutlich nicht.

    • Ach, da sind doch schon einige Routinen zusammengekommen 😉 So viel Unterschied ist da gar nicht mehr zwischen uns, finde ich! Danke jedenfalls für deinen netten Kommentar und den Austausch & ganz liebe Grüße 🙂

  4. Haben diese Serie gerade bei Lilly entdeckt und wir denken, da kriegen wir auch einen eigenen Beitrag zusammen. Dann mal routiniert an die Arbeit, nech… 😉

    LG Andrea und Linda

  5. Ich finde Routine und Rituale auch was ganz wichtiges für Hunde. Es gibt ihnen Sicherheit und auch für uns Menschen ist es oft wichtig. Pippilotta und ich haben ein neuerdings ein ganz tolles Ritual. Jeden Morgen um 5 Uhr darf sie zu mir ins Bett krabbeln und dann wird bis zum Aufstehen gekuschelt. Das wiederholt man doch gerne jeden Tag 😉

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