Top Irrtümer

Als Ersthundebesitzer sind wir selbst schon dem ein oder anderen Irrtum aufgesessen. Und haben in unserer Begegnung mit vielen anderen Hundehaltern auch schon so einiges erlebt. Deshalb kurz und knackig zusammengefasst, was man – meiner persönlichen Ansicht nach – von Beginn an beherzigen sollte:

  1. Hunde sind keine lebendigen Alarmanlagen sondern Rudeltiere. Sie wollen also ihrem Rudel nahe sein – nicht alleine in Haus oder Garten.
  2. Einen Hund ist nicht für DICH da, wenn du heim kommst. Ihr seid füreinander da. Diese Mensch-Tier-Beziehung funktioniert wie jede andere – durch Nehmen UND Geben plus klare Kommunikation.
  3. Die Welpenblase hat in etwa Erbsengröße. Der Schließmuskel ist nicht ausgebildet. Das ständige Reinpinklen zu Beginn ist kein bös gemeinter Psychokrieg.
  4. Befehle lernt man nicht über Nacht. Oder haben wir als Kinder in einem Monat schreiben gelernt? Und: 1 Kommando drinnen können ist Erfolg Nr. 1. Das selbe Kommando draußen: Nr. 2. Und neben einem anderen Hund: Nr. 3. Das passiert nicht auf einmal.
  5. Wird das Kommando nicht befolgt, hat das nichts mit Hörproblemen zu tun. Ein häufiges oder lauteres Wiederholen bedeutet nur: beim ersten Mal befolgen ist nicht notwendig.
  6. Den Hund mit dem Namen zu Schimpfen ist kein guter Plan, wenn man ihn mit selbigem auch erfolgreich herrufen möchte.
  7. Streicheln ist keine Beruhigung sondern eine Belohnung für gewünschtes Verhalten. Ruhe ist Beruhigung. Die Sprache ist dafür nicht notwendig. Mehr die Körpersprache und das gesamte eigene Verhalten.
  8. Die Hundesinne funktionieren nicht wie beim Menschen. Der Hund erfasst seine Umwelt im Idealfall mit der Nase.
  9. Man darf nie davon ausgehen, dass sich andere, auch Hundehalter, mit ihren eigenen oder gar mit anderen Hunden auskennen. Und auch umgekehrt gilt: nur weil man seinen eigenen Hund kennt, weiß man nichts von den anderen.
  10. Grenzen tun Hunden nicht weh. Sie zeigen Bewegungsspielraum für ein ausgeglichenes Miteinander auf. So wie in jedem Menschen- oder Hunderudel auch.

Wie immer bietet die Kommentarfunktion Spielwiese für Erweiterungen! Ich freu mich drauf 🙂

www.amazingfaithful-labradors.at

Informieren, autauschen, probieren, reflektieren. Wir (Erst)Hundebesitzer müssen viel lernen.

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9 Antworten zu “Top Irrtümer

  1. Punkte 1 und 2: Hier hatten und haben wir das große Glück, ihn entweder mit ins Büro nehmen zu können oder zuhause arbeiten zu können. Mit dem Ergebnis, dass wir nicht mehr als 8 Stunden voneinander getrennt waren, seit er eingezogen ist. Wäre das nicht möglich gewesen, hätte ich aus Respekt vor dem Lebewesen darauf verzichtet, mir einen Hund ins Haus zu holen.
    Punkt 3: Kann ich nur bestätigen. Da wir etwas ungeschickt wohnen (viele Treppen, für das Fellbündel kaum zeitnah erreichbares Grün; und in den ersten paar Wochen wirken sich Aufwachen, Spielen und Fressen unmittelbar auf Blase und Magen-Darm-Trakt aus), hatten wir eine mit Holzpellets gefüllte Wanne in der Wohnung. Treppenhaus und Flur wurden trotzdem das eine oder andere Mal benetzt. Kaum zu glauben, welches Fassungsvermögen eine Erbse so hat… 😉 Vom Freudenpinkeln wollen wir gar nicht erst anfangen.
    Punkt 4: Was mühsam und langwierig gelernt wurde, muss auch regelmäßig wieder aufgefrischt werden…
    Punkt 5: Und wenn’s beim ersten Mal nicht befolgt werden muss, warum dann bitteschön beim 2. oder 3. Mal? (Immer wieder beobachtet auch die Situation HH vs. NHH, bei der HH «Sitz» und der NHH «Platz» sagt. Ja, was denn nun? Entscheidet euch bitte, ich spring derweil mal lieber rum…)
    Es nutzt auch garantiert nichts, laut, gar hektisch zu werden.
    Punkt 6: Geht gar nicht. Deshalb heißt mein Dicker mal Dicker, mal Süßer, mal Yates, mal Rüpel, mal nicht ganz zitierfähig.
    Punkt 7: Kann ich nur unterschreiben. Wird in der Hunderschule nicht umsonst nicht gern gesehen.
    Punkt 8: Wobei die Ohren nicht unbeachtet bleiben sollten (gerade bei verfressenen Labis und Golden). 😉
    Punkt 9: Davon kann ich ein Lied singen… Dazu kommt noch, dass der eigene Hund gern idealisiert wird (ich nehm mich da ausdrücklich nicht aus). Umso wichtiger ist der Kontakt zu anderen, die sich auch trauen, zu sagen, was sie denken.
    Punkt 10: Wer keine Grenzen setzt, soll sich bitte nicht wundern, wenn auf seiner Nase herumgetanzt wird. Meine Beobachtung: Hunde sind sogar dankbar für ihnen gesetzte Grenzen, entbinden sie sie doch von Aufgaben, die sie schlichtweg nicht lösen können. Das dürfte denn auch die für uns Zweibeiner am schwersten zu akzeptierende Lektion sein: Für Hunde gibt es nur Schwarz oder Weiß. Was einmal erlaubt wurde, muss mühsam verboten werden. Was verboten wurde, muss deshalb auch verboten bleiben.

  2. Da schwimmen wir ja durchwegs auf einer Wellenlänge 😉 Und ja, Punkt 1+2 sind am wichtigsten. Auch bei uns nur möglich, weil mein Mann als Musiker sehr flexible Arbeitszeiten hat. Mehr als 5 Std. ist sie bei uns nie allein – und wird meistens sogar in dieser Zeit von den Schwiegereltern besucht 🙂
    Hoffe, der Beitrag gibt dem ein oder anderen VORHER zu denken. Nachher leidet immer der Hund darunter…

    • 🙂 Diese Top-Ten gehören eigentlich in jedes Vorgespräch zwischen Züchter/Tierheim und Hundehalter in Spe. Fehlen sie, wäre ich ganz vorsichtig. Im Idealfall werden sie auch noch im Ordner aufgeführt, den man vom Züchter mitbekommt, denn im Welpenrausch gehen sie teilweise unter. 😉
      Was noch fehlt und worauf kaum jemand hinweist (obwohl es durchaus im einen oder anderen Buch steht): Das erste Jahr überstehen nicht alle Kleidungsstücke und Schuhe schadlos.

  3. Nicht nur die Kleidung 😉 Ich hab teilweise ausgesehen wie im Psychothriller – überall Blut (von den Welpenzähnchen) und blaue Flecken (von der ganzen Action).

    • Stimmt! Da war doch noch etwas, das einem *niemand* sagt! (Aber untrügliches Erkennungszeichen zumindest von Ersthundebesitzern ist.) Um es ein für alle Mal klar und deutlich gesagt zu haben: Wer sich auf einen Hund einlässt, muss im ersten halben Jahr damit rechnen, a) mit wie durch den Fleischwolf gedrehten Armen und Händen herumzulaufen, und b) jedem Gerichtsmediziner die Tränen in die Augen zu treiben, denn so viele Hämatome sammelt niemand, der bei Vernunft ist, freiwillig. 😉

  4. Klasse zusammengefasst. Ich persönlich würde ja Punkt 9 ganz besonders dick unterstreichen. Es ist wirklich unglaublich wie „hundedumm“ auch Hundehalter sein können. Da sind mir die Leute lieber, die gar keinen Hund haben. Die halten sich wenigstens zurück.

  5. Pingback: 2 Jahre Hund. 1 Jahr Blog. | Mit Hirn + Hund·

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